Abt.: Mit Füßen getreten

Eine ganz normale Atze beschwert sich über die Genderfaulheit des GSP:

Während ums Ganze sich »immerhin« eines Problems bei der sprachlichen Repräsentation bewusst zu sein scheint dringt der Hauptwiderspruch, der so nicht mehr genannt wird, bei diesem Werk wieder ganz in den Vordergrund. »Albern« sei es sich um die Probleme durch eine männlich hegemonierte Sprache zu sorgen. Und warum? Weil frau damit nicht das Glück im Kapitalismus erreiche.

Albern, lieber Atze, ist die Sprachkritik, weil es sich beim schlechter-wegkommen von Frauen eben nicht um einen sog. Nebenwiderspruch handelt. Das hat nämlich sehr viel handfestere Gründe als eine Unterrepräsentation in der Sprache und genau deshalb ist es so albern, wenn Leute mit diesem Mittel meinen, dagegen anstinken zu können.
EDIT:
Ergänzend dazu, mein Kommentar weiter unten, genauer, hier.


8 Antworten auf „Abt.: Mit Füßen getreten“


  1. 1 Fuß 08. August 2009 um 15:15 Uhr

    Die Unwissenheit dieser Sprachkritik drückt sich auch im kleingeschriebenen „frau“ aus, das neben der neutralen Form ‚man‘ eine weibliche setzt. Da das kleingeschriebene ‚man‘ aber einen gemeinsamen Ursprung mit dem geschlechtsunspezifischen ‚Mensch‘ hat, ist das kleingeschriebene „frau“ als ein Geschlecht neben dem Menschengeschlecht zu verstehen – mensch/frau, eine aufschlussreiche Sprachbereinigung!

  2. 2 Atze/in 08. August 2009 um 18:15 Uhr

    Das hat nämlich sehr viel handfestere Gründe

    Es wäre der Sache wahrscheinlich dienlich, wenn du diese benennen würdest. Daran wäre ich sehr interessiert.

  3. 3 eintagsfliege 09. August 2009 um 5:41 Uhr

    @Atze/In
    1. Die Gründe auf die ich anspiele ergeben sich aus dem staatlich formulierten sexuellen Benutzungsanspruch an seine Bürger.
    2. Die Form der Benutzung, die Frauen dort zugedacht ist, geht notwendig mit Nachteilen in der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt einher.
    2.1. Diese Nachteile betreffen nicht nur Frauen, die diesen Anspruch tatsächlich erfüllen, sondern alle, die in die für den Staat und seine Parteigänger in die Kategorie „Frau“ fallen.
    2.2. Also auch im übrigen auch Schulzen Chosefs Lesben, die sich dem ja angeblich so erfolgreich verweigern. Auch die bekommen diesen Anspruch regelmäßig zu spüren.

    3. An der sprachlichen Repräsentation mangelt es hier nun wirklich nicht. Im Gegenteil: An Anerkennung der Weiblichkeit, ihrer Qualitäten und besonderen Nützlichkeit für Geschäft und Gewalt gibt es gerade keinen Mangel. Die schädlichen Ansprüche die aus dieser Nützlichkeitserwägung erwachsen werden auch durch die feministische Sprachkritik keineswegs durchgestrichen. Sie fügen sich hier nahtlos ein.
    3.1. Das Frauen mittlerweile berufstätig sein dürfen und über eigenes Vermögen verfügen usw. ist kein Resultat einer Umbenennung der einstigen Weiber, Weibsbilder und Damen (in der besseren Gesellschaft) in achtbare Frauen, die auch in der Berufswelt ihren Mann stehen. Das ist Resultat einer Erweiterung des Anspruchs an Frauen, nämlich sowohl Familientier als auch fleißige Arbeitsbiene zu sein. Dieser Anspruch ist aber gerade nichts tolles, wie auch die Frauenbewegung weiß und dem Ganzen deshalb den Namen „Doppelbelastung“ gegeben hat.
    3.2. Und leider ist dieselbe Frauenbewegung auf diese Leistung für „die Gesellschaft“ verdammt stolz, wie es sich alljährlich am 8.März ausdrückt, wo sogar linksradikale Frauengruppen klagen: „Frauen leisten soundsoviel Prozent der gesellschaftlich notwendigen Arbeit“ und das Problem materieller Schlechterstellung, ganz gewerkschaftlich, eins zu eins in eines mangelnder Anerkennung des gesamtgesellschaftlichen Nutzens weiblicher Kinderkriegerei und -pflegerei übersetzen. Wieder: Anerkennung dieser Leistungen streicht den Schaden keineswegs durch. Im Gegenteil, sie ist ein Lob des Aushaltens dieser permanenten Schädigung.

    4. Was hoffentlich deutlich geworden ist:
    a) es Mangelt keineswegs an Anerkennung der Frau, und so unsichtbar sich die feministisch politisierten Vertreterinnen dieses Geschlechts sich manchmal wähnen sind sie keineswegs, und das eben zu ihrem eigenen Schaden.(Stichwort: Androzentrismus)
    b) die Forderung nach Anerkennung ist eine Forderung nach der ideelen Wertschätzung für das ausgehaltene Elend. Sie ist kein Mittel irgendetwas daran abzustellen.
    c) wenn diese ganzen Schädigungen ihren Grund in dieser Gesellschaft haben, dann handelt es sich hier keineswegs um einen „Nebenwiderspruch“ der vernachlässigt werden könnte. Aber es handelt sich ebenso nicht um einen Gegenstand, der, wie die, die den Vorwurf des Hauptwidersprüchlertums gerne gegen Marxisten(und übrigens auch die -innen) in Stellung bringen, behaupten, vollkommen getrennt von den politischen und ökonomischen Verhältnissen in dieser Gesellschaft behandelt werden könnte. d) Bonbon für die Leute die es methodisch mögen: Eine ABLEITUNG des Geschlechterverhältnises aus der (korrekten) Bestimmung von Staat und Kapital bedeutet keineswegs eine Hierarchisierung zwischen wichtigen und unwichtigen Gegenständen einer zu leistenden Kritik. Was mit einer ABLEITUNG geleistet werden soll, ist vielmehr eine erschöpfende Darstellung der ZUSAMMENHäNGE zwischen Sachverhalten. Der Vorwurf des Haputwidersprüchlertums zieht bei einer solchen Vorgehensweise also nicht, denn die Trennung zwische Haupt- und Nebenwidersprüchen wird hier überhaupt nicht aufgemacht. Ganz im Gegensatz zu den politischen Seperatisten, die sich als Anwälte dieser angeblichen Nebenwidersprüche sehen und ihre getrennte Behandlung vom „Leid weißer, männlicher, heterosexueller (usw.) Proleten“ fordern.

    Ende der Bearbeitung.

  4. 4 l 10. August 2009 um 9:20 Uhr

    Anerkennung dieser Leistungen streicht den Schaden keineswegs durch. Im Gegenteil, sie ist ein Lob des Aushaltens dieser permanenten Schädigung.

    ich weiß ja nicht, an was für linke frauengruppen du da denkst. ich kenne nur solche, die da zB kinderkrippen und co fordern, also gerade nicht die anerkennung dessen, dass sie sich aufopfern, sondern zumindest ne abmilderung, wenn schon im hier & jetzt keine abschaffung drin ist (und da gibt es, mittlerweile allerdings nur mehr wenige, auch welche, die da ganz andere gesellschaften anstreben). die fordern doch kein lob ein für ihre mehrfachschädigung, sondern klagen das an und fordern ein ende dessen.
    aber vielleicht kenne ich mich nicht gut genug aus. dann wäre ein link zu so einer komischen linken frauengruppe passend, damit ich die mal bestaunen kann. ne linke frauengruppe, die zufrieden ist, wenn man mal anerkennend den kopf tätschelt, wäre für mich tatsächlich ein novum. die machen sonst sicher oft viele fehler, aber so kenne ich das nicht.

  5. 5 eintagsfliege 10. August 2009 um 14:17 Uhr

    ich weiß ja nicht, an was für linke frauengruppen du da denkst. ich kenne nur solche, die da zB kinderkrippen und co fordern, also gerade nicht die anerkennung dessen, dass sie sich aufopfern, sondern zumindest ne abmilderung, wenn schon im hier & jetzt keine abschaffung drin ist

    Die fordern ja nun nicht Kinderkrippen, damit sie mehr Freizeit haben, sondern damit das, was mit „Doppelbelastung“ gemeint ist(nämlich Lohnarbeit + Haushalt schmeißen), überhaupt logistisch möglich ist. Also, weniger Abmilderung sondern eher Austausch von Schädigungen. Die Forderung nach Anerkennung ist da allemal enthalten.

  6. 6 l 10. August 2009 um 15:43 Uhr

    weniger Abmilderung sondern eher Austausch von Schädigungen.

    natürlich ist das ne abmilderung. wenn ich lohnarbeiten und kinderpflegen MUSS, dann ist ne entlastung bei der kinderpflege ne abmilderung. ich bin dann nämlich nicht mehr doppelbelastet.

    du tust so, als könnten es sich frauen aussuchen, ob sie lohnarbeiten; also mal lustig hausfrauen-dasein mit lohnarbeit AUSTAUSCHEN. das stimmt doch für die meisten nicht, das trifft nur besser gestellte. die 08/15 frau MUSS beides machen und da ist ne kinderkrippe allemal ne entlastung. – der kommunismus isses aber nicht, das stimmt. hat auch niemand behauptet. ne ‚anerkennung‘ isses aber auch nicht.

  7. 7 bla 14. August 2009 um 23:25 Uhr

    l, du überliest leider immer das Entscheidende: Dass „Doppelbelastung“ ein ziemlich triftiger Grund für nen Umsturz ist, statt für die Forderung nach Kinderkrippen, will diesen Linken einfach nicht auffallen.
    Und du bist da gar nicht so viel anders: Im Grunde bist du auch für die Revo (wer ist das eigentlich nicht?), aber praktisch lässt du kein Argument diesen Laden gelten, weil dir immer Verbesserungsvorschläge einfallen, welche das Ärgerniss doch zumindest lindern könnten. Von der praktischen Notwendigkeit einer proletarischen Revolution willst du nichts wissen, auf den Anspruch dich kommunistisch zu nennen aber partout nicht verzichten.

  1. 1 Heute gelesen (11.8.) « Theorie als Praxis Pingback am 11. August 2009 um 13:44 Uhr
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