Lieber Infoladen Trier,

ihr verlinkt auf eurem Blog einen Teil meines Beitrags „Antifa zerschlagen!“. Um es kurz zu machen, mit meinem Beitrag von damals bin ich keineswegs zufrieden, ich würde ihn so nicht mehr abschicken – was für mich kein Problem ist, so bedeutend, dass ich meine Fehler alle korrigieren müsste ist mein kleiner Blog nun nicht. Da ihr mich aber zitiert, sehe ich mich genötigt, doch noch einmal ein paar Anmerkungen zu meinem Post von damals und dem Kontext in dem er zitiert wird zu machen. Zunächst einmal, meine Verfassungsgerichts-Polemik von damals war billig. Es tut erstmal überhaupt nichts zur Sache, ob das Verfassungsgericht nun einen ähnlichen Fehler macht wie die Trierer Antifas oder nicht. Auch die Kreativität beim Parolen rufen usw. tut nichts zur Sache. Woran ich allerdings festhalten möchte: Die Art und Weise auf die Trierer Antifas ihr Unwerturteil über Nazis artikulieren ist kein Ausrutscher. Es ist genau die Art und Weise, in der sich die Ablehnung von Faschisten durch demokratische Nationalisten, durch Antifas artikulieren muss. Es ist eben kein Wunder, wenn der bürgerlichen Öffentlichkeit die Unwürdigkeit ihrer Repräsentation durch diese Nazis mit genau den Unwerturteilen, wie sie die Trierer Antifa hier formuliert, vorgeführt werden soll. Zugestanden sei beiden, Antifas und Öffentlichkeit, dass sie nicht unbedingt was gegen schwule Stadträte haben oder sie am Maßstab eugenischer Unbedenklichkeit messen. Was hier nur vorgeführt werden soll, ist die angebliche Inkonsequenz, die diese Figuren an den Tag legen, weshalb sie nicht dazu taugen sollen, die Trierer angemessen im Stadtrat zu repräsentieren. Woran die Antifa die Nazis hier blamiert, ist das Ideal eines demokratischen Volksvertreters.
Um so verkehrter finde ich eure Kritik (und dann eben auch meine eigene aus dem August) an den Umtrieben eurer Genossen. Sie trifft nämlich nicht den Fehler, den sie machen. Eure Genossen sind mit Sicherheit nicht wirklich Homophob, halten nicht wirklich was vom Deutschtum usw.. Sie sind eben nur in ihrer Ablehnung der Nazis im Trierer Stadtrat einigermaßen hilflos: Als Demokraten und Antifaschisten fällt ihnen keine bessere Kritik an den Faschisten ein, als das sie als Herrschaftspersonal nichts taugen. Da fragt man sich tatsächlich, was eigentlich so toll an demokratischer Herrschaft sein soll und was die anderen Figuren die da im Stadtrat sitzen eigentlich auszeichnet. Die Antwort kann man sich schon denken: Sie haben eben kein NPD-Parteibuch.
Soviel dazu. Was mich zum Schluss noch interessieren würde:
Seit wann schließt eigentlich „mangelnde Reflektion“ „bewusstes Wollen“ aus?


2 Antworten auf „Lieber Infoladen Trier,“


  1. 1 blubb 30. September 2009 um 18:02 Uhr

    „DIE“ Trierer „Antifas“ mit bestimmten, gleichen Eigenschaften und Interessen gibt es nicht, jedenfalls nicht als so homogene Einheit, wie du sie hier darstellst. Genauso wenig wie es „die“ AusländerInnen gibt, die so und so sind. Einige finden solche Parolen lustig/provokativ und rufen sie, andere nicht, wieder andere stehen der Sache indifferent gegenüber. Kurz: es gibt darüber keinen Konsens. Eine ebenso differenzierte Sichtweise wie du sie – m.E. – berechtigterweise von „Antifas“ verlangst kann ja auch von dir erwartet werden, oder?

  2. 2 eintagsfliege 07. Oktober 2009 um 2:24 Uhr

    es ging mir nicht um eine „differenzierte“ sichtweise, sondern um die richtige. mag sein das bei der antifa auch noch ein paar leute rumlaufen, die den oben nachgezeichneten krempel nicht mitmachen, aber warum sind die dann noch antifas? die müssten dann ja eigentlich geschnallt haben, wo die politische gegnerschaft ansteht.

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